Man vergisst schnell, wie cool Rage Against The Machine waren

Man vergisst schnell, wie cool Rage Against The Machine waren

In den 90er Jahren kam man an Rage eigentlich nicht vorbei. Der harte Sound, die Hip-Hop-Einflüsse, klar Botschaften und Texte. Keine Tanzveranstaltung ohne. Und die ganz harten, rauf auf die Tanzfläche. Große Gesten, wenig Tanz, viel Ausdruck. Sie haben es nie bis in meine Plattensammlung geschafft – dafür wurden Sie ja abends in den Kneipen viel zu oft gespielt, brauchte ich also nicht auch noch daheim. Zwanzig Jahre und ein runder Geburtstag später kam ein Freund mit der Auswahl eines Sixpacks Malocher-Bieres und zwei Tonträger Slime und Remastered Rage im Gepäck die Straße runter.

Über beides musste ich lächeln: Das Malocher Bier mit dem Claim: „Harte Arbeit, Ehrlicher Lohn“ und die Tatsache zwei CDs bekommen zu haben. Ich besitze seit vielen Jahren einen Spotify-Account, den ich dringend zum Programmieren brauche. Wenn ich Architekturen entwerfe brauche ich Ruhe, latsche durch den Raum und schaue lange und bedeutungsvoll aus dem Fenster. Wenn ich Programmiere brauche ich wahlweise Musik oder die 3 ???.

Nun also zwei CDs. Mein Rechner verfügt über kein optisches Laufwerk mehr. Meine wohlproportionierte Musikanlage lediglich über eine Yamaha Endstufe (auf die ich sehr stolz bin, auch wenn es die billigste auf dem Markt war) und einen Plattenspieler (auf den ich noch stolzer bin, weil es ein ebenso ausgesuchtes wie liebevolles Geschenk meiner Frau gewesen ist). Mein Auto ist zehn Jahre alt. Das hat noch einen CD-Schafft, der zwar dauerhaft von Bibi & Tina (voll verhext) blockiert ist, aber eine Option. Nachdem ich das Bier also ausgetrunken hatte, wollte ich natürlich auch die anderen Geschenke genießen und hab am nächsten Morgen Rage Against The Machine in meinem Auto CD-Spieler geschoben. Lautstärke Level 28 und los.

Für den Rest des Tages, hab ich das Lächeln einfach nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. Die Botschaften, die sich auf dieser Scheibe vereinen, reichen eigentlich um durch ein ganzes Leben zu gehen: „fuck you, I won’t do what you tell me“ und „they say jump, you say how high?“. Aber auch Selbstkritisches (oder zumindest kann man es nach 20 Jahren so auffassen):

Brotha, did ya forget ya name?
Did ya lose it on the wall
Playin‘ tic-tac-toe?

Environment
The environment exceeding on the level
Of our unconciousness
For example
What does the billboard say
Come and play, come and play
Forget about the movement
Anger is a gift

Großartiges in hartem Beat.

Gleichzeitig muss ich meinen Umgang mit Medien hinterfragen. Spotify, Napster, Flatrate, alles gut und schön. Aber warum ist es dann doch so, dass ausgerechnet die (beschränkte) CD mir den Zugang zu Inhalten aufzeigt. Vergessens zugänglich macht. Man vergisst schnell, wie cool Rage Against the Machine waren, wenn andere Bands genauso überall verfügbar sind und deren Platz einnehmen. Aber es ist nicht meinerseits ganz schön beschränkt, ausschließlich nach vorne (oder zur Seite zu starren) als auch mal nach hinten? Nivelliert das Digitale Großes? Wird das jetzt alles breiig? Andererseits. Will ich die Musik (oder Texte) wieder an die Kette legen?

Freedom, Freedom, yeah right

 

 

 



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